Frauen und Familie

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Rene am 13.07.2020 15:21 Uhr

Dass in Coronazeiten das Recht auf Homeoffice zu begrüßen ist, sehe ich genau so wie in den rf-news Artikel. Dass das Recht auf Homeoffice "unbedingt" (wie in https://www.rf-news.de/ueberarbeitung-notwendig/kritische-auseinandersetzung-zu-homeoffice-angebracht genannt) zu begrüßen ist, ziehe ich in Zweifel.
Es gibt Homeoffice (früher hieß das Heimarbeit, Verwandte von mir haben das in DDR Zeiten in den 1970ern gemacht) bereits länger, nicht erst seit Corona.
In Einzelfällen mag Homeoffice gut sein, speziell um Menschen mit gesundheitlich starken Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen zu können.
Nicht als Allgemeinregelung. Nicht zu Coronazeiten und nicht davor oder danach.
Aber aus dem "Recht" leiten zuweilen die Unternehmen ihr Recht auf Aufforderung oder Verordnung von Homeoffice her. Das sind Erfahrungsberichte von Frauen, die das erleben.
Praktische Folgen: Die eigene Wohnung wird zum Arbeitsplatz.
Erfahrungsberichte besagen, dass in Homeoffice mehr gearbeitet wird, weil man ja die Arbeit fertigbekommen will. (Der Chef wird sich dann die Hände reiben, denn im Büro sagt man zum Feierabend, am nächsten Tag gehts weiter und zu Hause packt einen der - falsche - Ehrgeiz). Zudem wird durch Homeoffice die direkte Verbindung mit den Kollegen unterbrochen.
Frauen, die das machen, berichten, dass das - auch ohne Kinder - erstmal reizvoll erscheint, aber dann immer mehr belastet. Vor allem, weil Arbeits- und privater Bereich nicht mehr getrennt sind. Das ist aber wichtig, das trennen zu können. Jetzt, im Kapitalismus und auch wenn es mal echten Sozialismus geben wird, wird diese Trennung genauso wichtig sein. Denn jede(r) muss nach der Arbeit auch abschalten, entspannen können. Wenn der intime Bereich zugleich Arbeitsstelle ist, geht das nicht.

Susanne Bader am 18.06.2020 15:08 Uhr

Hallo, ich möchte auf Christines Gedanken, wie Frauen lernen können, sich zu wehren, eingehen. Tatsächlich ist es ein erster wichtiger Schritt, Frauen davon zu überzeugen, sich zu organisieren. Eine Courage-Freundin erzählte mir folgendes: "meiner Nachbarin erzähle ich immer wieder vom Frauenverband Courage. Dann sagt sie regelmäßig, das mit Politik, das ist nichts für mich. Jetzt habe ich ihr erzählt, dass wir ein kleines Sommerprogramm für Kinder anbieten um die Mütter in den Ferien zu entlasten. Plötzlich war sie interessiert. Hat sich die Homepage von Courage angeschaut und mich angerufen: "Hör mal, warum hast du mir das nicht gesagt, alles was da steht, das bin ich! Ich will bei euch mitmachen. Und beim Ferienprogramm bin ich auch dabei". Wir wollen mit unserem Sommerprogramm viele neue Frauen für Courage interessieren und gewinnen. Denn eins ist sicher, die sich entwickelnde gesellschaftliche Situation erfordert, dass wir uns zusammen schliessen, bilden, helfen und kämpfen - die vier Säulen von Courage.

Katrin am 17.06.2020 12:35 Uhr

Auch ohne Corona ist eine Verkleinerung der Klassen und Reduzierung des Betreuungsschlüssel in Kindergarten und Kitas notwendig (aktuell liegt der Betreuungsschlüssel für Kindergartenkinder bei 12,5 pro Erzieher*in in Baden-Württemberg. Dieser kann jetzt bis Ende des Kindergartenjahres 2020/2021 lt. Verordnung der Landesregierung um 20% überschritten werden). Das ist nicht nur gegenüber den Kindern unverantwortlich, auch für die Erzieher*innen nimmt die Arbeitsbelastung und Gesundheitsgefährdung zu. In einem Beitrag hier im Forum wird richtig gefordert, dass die Forderung nach regelmäßigen Tests zum Thema in Elternbeiräten, im Kollegium, unter Freunden usw. gemacht werden muss und der gemeinsame Kampf von Eltern, Kinder, Jugendlichen und Erzieher*innen und Lehrer*innen organisiert werden muss. Dazu sind die Montagsdemos der richtige Anlaufspunkt zum öffentlichen Austausch und Protest.

Katrin am 17.06.2020 12:25 Uhr

Gestern wurde die sogenannte Heidelbergerstudie, die von der Landesregierung Baden-Württemberg in Auftrag gegeben wurde, veröffentlicht. Die Studie basiert auf Tests von 2500 Kindern plus einem Elternteil. Sie soll herausgefunden haben, dass Kinder weniger ansteckend sind als Eltern. Damit begründet jetzt die Landesregierung die Aufnahme des Regelbetriebs von Schulen und Kitas unter Pantemiebedingungen bis Ende Juni. Liest man sich die Verordnung durch, ist darin kaum noch etwas von Gesundheitsschutzmaßnahmen geschweige denn von regelmäßigen und massenhaften Tests von Lehrer*innen, Erzieher*innen und Schüler*innen oder Verkleinerungen der Klassen und Kita-Gruppen, zu lesen.
Der Virologe Christian Drosten bezieht sich in seinem aktuellen Podcast auf eine kürzlich veröffentlichte schwedische Studie. Er sagt „ Weil die Regierung in Schweden weitestgehend auf Schulschließung verzichtete, sei das Ergebnis der skandinavischen Corona-Studie „viel besser als alles, was wir bisher aus anderen Ländern haben“, erklärt Drosten. Die Seroprävalenz von Kindern (0-19 Jahren) liege mit 7,5 Prozent sogar ein Prozent höher als bei der erwachsenen Alterskohorte (20-64 Jahre).“ Er plädiert auf eine regelmäßige massenhaften Testung und dem Einsatz einer Corona-App als wirksamste Methode um eine zweite Welle zu verhindern. Die Corona-App wie sie gestern veröffentlicht wurde, ist auf dem jetzigen Entwicklungstand wohl nicht sehr sinnvoll, die massenhaften Test dafür schon. Ich bin Mutter von zwei kleinen Jungs (4 und 6 Jahre). Ich würde lügen wenn ich sagen würde, ich wäre nicht froh wenn die Jungs nach 3 Monaten endlich wieder in die Kita dürften. Aber unter diesen Voraussetzungen werde ich sie mit einem unguten Gefühl in die Kita schicken ..

Helga am 13.06.2020 16:14 Uhr

zum Beitrag von Brigitte:
Diese Forderung nach umfassenden Tests ist wirklich ausschlaggebend und sicher wird das nicht ohne gemeinsamen Kampf der Eltern und Lehrer gehen. So gibt es zurecht unter Freunden und Bekannten die grössten Befürchtungen vor vielen neuen Infektionen, wenn die Kinder wieder in der Schule sind. Von Gesundheitsschutz wird immer weniger geredet. Das ist doch in einer Linie damit, dass sie schon lange an Sauberkeit in den Schulen sparen, dass es zu wenige Putzkräfte gibt.

brigitte am 04.06.2020 21:32 Uhr

Zu Johanna: Klar, Kinder haben ein Recht auf Bildung-, Freizeit-, Betreuungs- und Bewegungsangebot. Die Familien, besonders mit jüngeren Kindern, sind längst über das Limit raus - auch da können sicher viele Leser*innen viele eigene Erfahrungen beitragen, wie Tage bewältigt werden im Homeschooling, Homeoffice. Bildungs-, Freizeit-, Betreuung-, Bewegungsangebote: Es wird auf die Betreuungseinrichtungen und Schulen abgewälzt, wie sie es stemmen sollen, mit zu wenig Personal, zu kleinen Räumlichkeiten dieses Recht unter Beachtung des Gesundheitsschutzes zu gewährleisten. Ein Punkt, den alle Eltern, alle Beschäftigten in den pädagogischen Einrichtungen, in den Schulen in den nächsten Tagen und Wochen auf die Tagesordnung setzen sollten, sind die flächendeckenden Testungen. Drosten ist auch dafür, das kann man nutzen: Testet Lehrer*innen, Erzieher*innen, Beschäftigte wöchentlich - und auch die Schüler*innen. Besprecht das in den Elternbeiräten, in den Teambesprechungen, mit anderen Eltern und bildet Initiativen, die das ganz konkret von den sogenannten Sachaufwandsträger*innen fordern. Wendet euch an die örtliche GEW oder mobilisiert auch in euren Gewerkschaften. Bezieht die Kinder ein, auch die SMV kann dazu beitragen. Profi-Fußballer und die Formel-I-Leute werden auch wöchentlich getestet. Berichtet über eure Erfahrungen, damit wir gegenseitig voneinander lernen können.

Elke am 02.06.2020 19:53 Uhr

Hallo, ich bin Ärztin und habe etliche Fälle von Misshandlungen in Familien mitbekommen. Bei dem konkreten Vorfall mit der Frau unter der Brücke war es wahrscheinlich richtig, sich nicht mehr weiter einzumischen, den Willen der Frau zu respektieren. Aber dieses Respektieren des Willens, Hilfe abzulehnen, darf man nicht als Grundsatz sehen. Wie schnell kommt man dazu zu meinen, es ist halt so in der Gesellschaft, Frauen und Kinder werden misshandelt. Und wenn sie keine Hilfe wollen, sind sie selber Schuld. Wir haben alle die gesellschaftliche Verantwortung, solche Misshandlungen nicht zuzulassen. Wenn wir sehen, dass Frauen weiterhin misshandelt werden, ist es wichtig, ihnen immer wieder Hilfe anzubieten, auch wenn sie es zuerst nicht wollen. Viele lehnen Hilfe ab, weil sie sich schämen, weil sie schlechte Erfahrungen damit gemacht haben oder schlicht aus Angst vor ihrem Mann oder der Zukunft. Natürlich müssen sie ihren eigenen Weg finden, aber meistens schaffen sie es nicht ohne Hilfe. Sich zu trennen, besonders wenn man Kinder hat, ist ungeheuer schwer!

Elke am 01.06.2020 13:00 Uhr

Elke
Ich finde es eine wichtige und richtige Forderung, die Frauen in solchen Situationen auch zu unterstützen. Aus meiner beruflichen Erfahrung (Rechtsanwaltsgehilfin) habe ich oft solche Fälle mitbekommen, in denen die Frauen und die Kinder der Gewalt des Ehemannes ausgesetzt waren, bis hin zu Mordversuchen. Manche Frauen gingen aber wieder zurück zu ihrem Ehemann, sie waren überfordert mit den Dingen des täglichen Lebens, Anträge stellen auf Sozialhilfe, Kindergeld, Wohnung suchen, Unterhalt für sich und die Kinder erstreiten, Behördengänge, bis hin zur Anzeige bei der Polizei gegen den gewaltsamen Mann. Auch hier muss eine Unterstützung dieser Frauen laufen, es reicht nicht aus, sie im Frauenhaus unterzubringen. Diese Frauen sind auch in einer emotional angespannten Situation. Unbedingt müssen wir, wenn wir davon wissen, diese Frauen auch in solchen Sachen unterstützen, und vor allem ihr Selbstbewusstsein stärken. Dies ist ein länger andauernder Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Für die Kinder ist diese Entwicklung aber ebenso wichtig wie notwendig, haben sie doch ansonsten nur die "schwache Mutter" usw. in Erinnerung.

Christine Klauth am 30.05.2020 20:20 Uhr

ich möchte noch mal zurück auf die Diskussion um die Frau unter der Brücke. Es sind zwei Punkte in der Diskussion: 1. Dass man Gewalt an Frauen als gesellschaftliches Problem erkennt und nicht hinnimmt, so als ob es eine Privatsache wäre. Darüber ist glaube ich Konsens zwischen dem Autor des Beitrags und den Antworten darauf.
2. Die Frage von Monika vom 25.5. ist noch offen. Sie sagte, dass die Frau ihren Weg finden muss sich zu wehren, zu trennen...
Ich meine, dass das eine wichtige Frage über den konkreten Fall hinaus ist. Denn wie oft passiert es, dass man mit Frauen über ihre Lage spricht und dann vergisst, ihr ein Programm vom Frauenverband Courage und eine Mitgliedskarte zu geben? Ist das nicht ein Ausdruck davon, dass man vergisst, dass Frauen ihren Weg finden müssen, sich zu wehren? Dass wir Frauen das sogar manchmal selber vergessen im Alltagspragmatismus?

Und noch eine Antwort auf Johanna vom 28.5.: Die Petition "Kinder brauchen Kinder" kann man meiner Meinung nach weiterempfehlen. Was sie nicht enthält ist die Forderung nach regelmäßigen Tests, das gehört denke ich aber zu der Kita-Öffnung dazu. Leider kann man die Initiatorinnen nicht direkt anschreiben, ich habe es versucht.

Elke am 29.05.2020 23:47 Uhr

Elke aus Albstadt hat folgenden Leserbrief an die örtlichen Zeitungen geschickt, den ich Euch zur Verfügung stellen möchte: Als Mutter eines gehörlosen jungen Mannes habe ich diese Aufforderung, eine „durchsichtige Maske“ zu erfinden, mit Freude gelesen. Man kann sich als hörender Mensch gar kein Bild machen, wie es momentan für einen Gehörlosen ist, der darauf angewiesen ist, vom Mund abzulesen, damit er versteht um was es geht: Er versteht die Welt nicht mehr! In der Bundesrepublik Deutschland leben ca. 80.000 Gehörlose. Nach Angaben des Deutschen Schwerhörigenbundes gibt es ca. 16 Millionen Schwerhörige. Für diese Menschen ist es momentan nicht nur schwer, sich zurecht zu finden, sondern nahezu unmöglich. Soviel zur Barrierefreiheit! Ein Gehörloser kann auch nicht telefonieren, um einen Termin zu vereinbaren. In Zeiten der Corona-Pandemie bekommt man aber sonst nicht einmal einen Friseur-Termin… In der Corona-Verordnung steht, dass Gehörlose und ihre Begleitung nicht zwingend einen Mundschutz tragen müssen, damit sie sich verständigen können, was allerdings die ganze Sache ad absurdum führt, sind doch gerade die Gehörlosen darauf angewiesen vom Mund abzulesen, nicht andersherum. Hier müssen auch neue Mittel und Methoden überlegt und eingeführt werden. Ich hoffe und wünsche mir, dass wenigstens die Gebärdendolmetscher, die man nun bei den Presseerklärungen und bei den Nachrichten sieht, und die es in anderen Ländern schon längst gibt, nun dauerhaft zu sehen sein werden. Für eine durchsichtige Maske, bei der Gehörlose vom Mund ablesen können, wäre ich dankbar und sicher auch die oben genannten 80.000 Gehörlosen in Deutschland.

Arnulf am 29.05.2020 15:42 Uhr

Die Corona-Pandemie hat im Alltag viele Einschränkungen mit sich gebracht. Nicht alle haben negative Auswirkungen. Wir, Zweipersonenhaushalt, Rentner, ernähren uns bewusster. Gschwind mal eben einkaufen gehen war früher. Irgendwie wird man auf das Wesentliche im Leben „zurückgeworfen“. Vieles braucht man garnicht. Ich vermisse allerdings den ungezwungenen und spontanen „Freigang“. Ich kann Christine und die Sorgen um ihre Mutter verstehen, verstehe aber auch die Mutter. In unserer Wohnanlage singen wir täglich auf den Balkonen und obwohl wir uns räumlich nicht näherkommen können, wächst die Verbundenheit unter den Nachbarn. Hier wohnen hauptsächlich Ältere, und nicht nur für diese ist das tägliche gemeinsame Singen ein fester Bestandteil des Alltags geworden ist. Da kommt kein TV-Programm gegen an. Ich hoffe nur, dass wir uns dieses zarte Pflänzchen der Gemeinschaft und Solidarität erhalten können.

Uta am 29.05.2020 15:09 Uhr

Ich möchte mal das Thema Angst im Zusammenhang mit einem agressiven Virus ansprechen. Durch das Zusammenleben mit einem Angehörigen einer Risikogruppe, manchmal lese ich auch im Zusammenhang mit Herzschwäche von Hochrisikogruppe, mache ich mir Sorgen und bin angespannt. Mich befällt immer wieder der Gedanke, mir keine Nachlässigkeit erlauben zu können, weil ich ja auch Verantwortung für einen gefährdeten Menschen trage. In der Öffentlichkeit ist im Zusammenhang mit Risikogruppen immer die Rede davon, daß die Andern sie schützen müssen. Der soziale Verantwortungsgedanke daran ist ja nicht verkehrt. Und ein alter dementer Mensch ist auf den Schutz seines Umfelds natürlich besonders angewiesen. Was ist aber mit den vielen andern, die selbständig denken und leben? Die müssen sich doch selber schützen. Ich bin doch dafür, daß jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben führt. Das bedeutet für mich auch, daß ich die Entscheidung der 82-jährigen Mutter selbst einkaufen zu gehen, akzeptiere und mit dem Bauchweh leben lerne. Ich sehe es auch in der Nachbarschaft, daß es alte Menschen nach wochenlangem Rückzug und sozialen Entbehrungen nach draußen drängt. Mir selbst geht es ja nicht anders. In der Zeitung sorgt sich heute eine 78-jährige Frau um ihre Autonomie und fordert das Recht, im Falle einer Erkrankung eine Beatmung ablehnen zu dürfen, weil sie sich möglichen Folgeerkrankungen nicht mehr aussetzen will. Auch das müssen ihre Angehörigen akzeptieren. Wichtig finde ich dabei, das Ansteckungsrisiko mit dem Tragen einer (mindestens) FFP2-Maske möglichst gering zu halten und die Krankenkassen oder Gesundheitsämter für eine ausreichende Versorgung in die Pflicht zu nehmen. Und wegen der Angst wünsche ich mir einfach mehr Austausch

Johanna am 28.05.2020 22:03 Uhr

Gestern brachte die ZDF heute-Sendung einen Beitrag zu einer Elterninitiative mit einer Petition, die Frauen aus Baden-Württemberg gestartet haben ("Kinder brauchen Kinder"). Konkret geht es ihnen dabei vor allem darum, die Rechte der Kinder auf Bildungs-, Freizeit-, Betreuungs- und Bewegungsangebote zu stärken. Was mich an dem Beitrag beeindruckt hat, waren v.a. die Statements bzw. die Kritik der Frauen am Krisenmanagement der (Landes)Regierung, dass sie erst einmal alles andere im Lockerungswahn wieder geöffnet haben, während die Kinder und Familien das Nachsehen haben. Auch das Selbstbewusstsein, mit der sie es geäußert haben, fand ich stark. Es ist nicht selbstverständlich, in solch einer belastenden Situation als Mutter politisch aktiv zu werden. Wir müssen solche Frauen bzw Eltern gewinnen im Kampf gegen die Abwälzung der Krisenlasten von Weltwirtschafts-, Finanz- und Coronakrise.

Was meint ihr zu dieser Initiative? Es geht zwar dabei in erster Linie um Kinder - aber es sind ja vor allem die Frauen, die sich für sie einsetzen, weil es ihrer gesellschaftlichen Rolle entspricht.

Dietz am 28.05.2020 12:08 Uhr

@Christine
Zuerst mal, wie von Rene schon dargelegt, brauchst Du ganz bestimmt kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn deine Mutter alleine einkaufen geht.
Die Vorwürfe deiner Bekannten zeigen deutlich, wie die Meinungsmache der Herrschenden Erfolg hat; frei nach dem Motto, alle Alten sind Risikogruppe ( oder auch dement, hilflos, bedürftig etc. ) wird hier ein Bild einer Gesellschaftsgruppe gezeichnet, welches im Endeffekt dazu führt, alle alten Menschen praktisch zu entmündigen. Sicher gibt es alte Menschen, auf die diese Dinge zutreffen. Aber genauso gibt es unzählige Menschen, die auch mit 70, 80 oder noch mehr Jahren voll im Leben stehen, z.T. aktiver und leistungsfähiger sind als deutlich Jüngere.
Gerade dieses alle über einen Kamm scheren erfahre ich täglich bei meiner Arbeit als Altenpfleger; es wird nicht unterschieden, wie viele Ressourcen der Einzelne noch besitzt, sondern stur nach dem Motto Alt = pflegebedürftig verfahren.
Hier zeigt sich wieder einmal die Willkür der Herrschenden. Es wird nicht nach Fakten entschieden, sondern nach gutdünken.

Rene am 27.05.2020 21:32 Uhr

Hallo Christine

zu dem Punkt, ob du ein schlechtes Gewissen haben musst, wenn du deine Mutter alleine einkaufen gehen lässt, sag ich ganz klar: Nein, musst du nicht. Die Vorwürfe der Bekannten sind nicht berechtigt.
Ja, die Gefahr der Ansteckung besteht natürlich. Aber soll man sich deswegen, weil man zu einer Risikogruppe gehört, zu Hause einschließen?

Und wenn deine Mutter alleine einkaufen kann, heißt das ja, dass sie körperlich dazu in der Lage ist (was in dem Alter nicht bei allen so ist). Ich hatte es schon mal an anderer Stelle irgendwo hier im Forum vor einigen Wochen geschrieben: Auch alte Menschen haben das Bedürfnis, am Alltagsleben teilzunehmen. Einzukaufen. Freunde zu sehen. Raus aus der Isolation, die auch psychisch kaputtmacht (ich weiß, wovon ich rede). Daraus mit dem Argument, man könnte sich anstecken, einen Vorwurf abzuleiten, halte ich für zutiefst unsolidarisch.

Vorsichtsmaßnahmen sind unbedingt wichtig. Keine Frage. Jedes Risiko muss minimiert werden.

Und der Vorwurf beinhaltet zudem, was der Staat gerne macht: dir als Privatperson die Verantwortung aufzubürden, dich um alles zu kümmern. Ob du dazu in der Lage bist, klammert die Bekannte offenbar vollkommen aus, so wie der Staat vielen Familien.
Frag doch die Bekannte beim nächsten Gespräch, was sie als Alternative vorschlägt. Wahrscheinlich sagt sie dann nichts, weil da ihre eigene Verantwortung gefordert ist.

Übrigens: ich gehöre auch zu einer Risikogruppe und gehe trotzdem bewusst unter Menschen. Auch zu Montagsdemo oder ähnlichem. Bewusst mit dem Wissen, dass ich es mir und anderen schuldig bin, Sicherheitsmaßnahmen bewusst zu ergreifen.

Dietz am 27.05.2020 16:02 Uhr

zu "Eine starke Frau"
Diese oder ähnliche Situationen dürften schon viele von uns erlebt haben. So schlimm es für den jeweiligen Betroffenen auch ist, verstehe ich doch nicht, dass dieses Erlebnis hier einen so großen Spielraum einnimmt. Tagtäglich werden Frauen Opfer von Gewalt, egal ob physisch oder psychisch.
Dieser Fall ist also nicht außergewöhnliches, sondern sozusagen der "normale Alltag".
Ich finde, für ein Diskussionsforum sollten doch generelle Themen der Hauptpunkt sein und nicht irgendwelche persönlichen Erlebnisse, über deren Hintergrund zudem überhaupt keine Informationen vorliegen ( warum dieses Verhalten des Mannes ).
Ich will hier das Eingreifen des Berichterstatters keinesfalls klein reden, im Gegenteil, wenn es mehr Zivilcourage in dieser Gesellschaft gäbe, würden viele Dinge gar nicht erst passieren.
Gerade in der jetzigen Situation wird aber überdeutlich, wie sehr die doppelte Ausbeutung der Frau in diesem System verankert ist. Die Frau ist sozusagen der "Mittelpunkt" der bürgerliche Familie, hat für den Mann und die Kinder zu sorgen. Nebenbei macht sie noch ein bisschen Homeoffice, übernimmt die Aufgaben der geschlossenen Schulen und Kitas, natürlich völlig für lau, der Dank der bürgerlichen Gesellschaft ist ihr Lohn genug.
Ich glaube, hier ist ein wesentlich größeres Feld für wirklich anregende Diskussionen als das "Breittreten" von persönlichen Erlebnissen ( ohne diese als Banalitäten abtun zu wollen ).

Dominik am 27.05.2020 13:43 Uhr

Teil 2:
In Ihrer Anfrage machen sie eine Schilderung und beschreiben auch eine
Situation. Eine schon Eskalierte, also mit Gewaltausbruch gegen eine
Frau. Und sie zeigen in ihr sehr genau die Kräfteverhältnisse.
Mehrere, die diese Gewalt ablehnen und einer der Gewalttäter ist. Die
Situation vorgestern Abend hatte andere Kräfteverhältnisse. 2
Knastbrüder, ich hatte sie nicht genauer Beschrieben, weil ich es für
die Schilderung für nicht so wichtig empfand und ich alleine. Die
Situation war noch nicht eskaliert. Hätte ich sie Eskalieren lassen
sollen? Ich weis es nicht. Hätte es jemanden geholfen. Ich denke nicht.
Im Prinzip eine Äußerung des Klassenkampfes. Einer der Ausdrücke der
Ablenkung, ein Ventil für die Unzufriedenheit der Massen. Ob es die
Frau ist, der Ausländer, der Alte, die Jugend, der Jude, der Moslem,
der Christ... diese Liste ist unendlich lang. Hauptsache es geht nicht
gegen die Herrschenden.

Was mir zu den anderen Posts aufgefallen ist, das ich doch so geschrieben habe, das die Situation gut herauszulesen war, denn es wurden viele sehr richtige und treffende Schlussfolgerungen gezogen. Ich denke hier haben die Schreiber bewusst die dialektische Methode angewandt, sind nicht einem spontanen Gefühlsausbruch gefolgt aber auch nicht ihr Gefühl beiseite gelegt. Das ist auch so ein Problem was mir immer mal dazwischenfunkt und mich dann auch stark irritiert, vor allem wenn ein jemand solche zerstörerischen Kritiken schreibt.
Und dann die vielen Fragen, die da eine Posterin hat. Auf diese Fragen wird es wohl so einfach keine Antworten geben können und in der Situation hatte ich sie natürlich auch nicht. Also können sie auch nicht zu einer Qualifizierung, richtig oder falsch gehandelt, führen.

Dominik am 27.05.2020 13:19 Uhr

Antwort vom 24.05.2020 19:19 Uhr von mir auf die 1. Rückmeldung auf RF News. Teil 1
Diese Schilderung des Ereignisses sollte keine Moral haben. Sie sollte
ein Ereignis des Lebens in unserer Gesellschaft darstellen. An sich
war ich sehr beeindruckt von dieser Frau. Natürlich auch sehr
aufgewühlt von dieser Situation in die ich da geraten bin. Was
letztendlich richtig oder falsch gewesen wäre... . Ich bin mir da
selbst sehr unsicher glauben sie mir. Deshalb schrieb ich es auch auf.
Ich denke um das erlebte für mich besser verarbeiten zu können.
Nach meiner Einschätzung aus der Situation an Ort und Stelle mit den
Protagonisten mit Gestik, Mimik usw. hätte diese nur noch Eskallieren
können. Das wäre sehr warscheinlich sehr schlecht für mich und in
Folge der angeheitzten Stimmung auch sehr schlecht für sie
ausgegangen, das habe ich so abgewogen.
Hilfe war nicht in Sicht, Straßen waren leer, es war Nachts
22:30-23.00 Uhr. Telefon hatte ich nicht mit.
Nicht immer wird es in menschlichen Begebenheiten Helden geben. Und
Ich denke ich habe es nicht gut formuliert, denn es kam wohl nicht gut
heraus. Auch habe ich nur einige "Fetzen" des ganzen Dialoges
wiedergegeben. In dieser Situation gab es eine Heldin. Sie hat mit
allen in ihrer Situation und ihren aus der Erfahrung zugänglichen
Mitteln Schaden von mir abgelenkt. Es ist eine Geschichte aus dem
Leben. Eine der Begebenheiten, wie sie oft ausgeblendet werden. Sie
hat den Zorn auf die Welt von diesem Mann auf sich genommen. Sie ist
keine Schwache Frau. Ja und ich war wohl nicht Vorbildlich und doch
war es wichtig das es veröffendlicht wird.
Ich denke viele Leute und ich hoffe ich auch können noch viel aus
dieser Begebenheit ziehen.

Christine am 27.05.2020 10:07 Uhr

Vor kurzem machte eine Bekannte mir Vorwürfe, warum ich meine 82 jährige Mutter in den Aldi zum Einkaufen gehen lasse. Ich müsse als Tochter doch ein schlechtes Gewissen haben, wenn ich meine Mutter der Gefahr der Ansteckung aussetze und sie womöglich stirbt, denn sie gehöre ja zur Risikogruppe. Da sprach sie etwas aus, was mir selbst durch den Kopf geht. Bis Ende April habe ich alles für erledigt, was mit außer Haus gehen verbunden war, ihr Mundschutz besorgt, sie aufgeklärt, informiert, getröstet. Aber irgendwann kam der Zeitpunkt, da wollten wir beide nicht mehr. Sie begann wieder, das Haus zu verlassen, sich mit Freundinnen zu treffen und wollte wieder mehr am Leben teilhaben, das sich eben nicht auf die Kernfamilie beschränkt. Von ihrer Seite aus war es eine selbstbestimmte Entscheidung, da sehe ich eine Parallele zu der "mutigen Frau unter der Brücke".
Und von meiner Seite aus war eine Grenze meiner Leistungsfähigkeit erreicht, die ich nicht weiter überschreiten konnte und wollte. Die Familienverantwortung hat man immer. Wenn die Kinder aus dem Haus sind ist man immer noch verbunden und auch verpflichtet, man passt auf Enkel auf, kümmert sich um die eigenen Eltern, den Partner usw. Als Frau hat man ein schlechtes Gewissen wenn man nein sagt, weil man auch geprägt ist von der bürgerlichen Moral, dass die Frauen für alles Familiäre die Verantwortung tragen. Wir müssen weg von diesem ganzen Individuellen und wir brauchen Lebensformen wo wir solche Alltagsfragen und die Freizeit gemeinsam anpacken. Und ich glaube, dass das auch ein ganz dringendes Bedürfnis der Menschen ist, was vielen jetzt erst richtig bewusst wird.

Helga am 26.05.2020 20:41 Uhr

Sollen wir diese Staats- und Familienordnung verteidigen?
Heute gab es einen Leserbrief von einer glühenden Verteidigerin der bürgerlichen Familienordnung. Sie knüpft an an dem von NRW-Ministerpräsident Laschet versprochenen Familienbonus von 600 Euro pro Kind an und schreibt dann: „Das suggeriert, dass die Erziehung/ das Dasein für die Kinder zuerst vom Staat und dann von den Eltern gewährleistet werden muss. Dieses wäre fatal. Die Familie ist die kleinste „soziale Gemeinschaft“ deren Verantwortung wie Erziehung, Bildung und ihre Förderung ihr selbst und nicht dem Staat obliegen.“ Also verlangen die Frauen und die Familien nicht nur in der Corona-Pandemie Unmögliches vom Staat? Anders herum wird ein Schuh draus. Der Staat – oder auch der staatsmonopolistische Kapitalismus - verlangt Unmögliches von den Frauen. Sie sollen die Lehrer ersetzen – die sonst nur mit einem abgeschlossenen Studium ihren Beruf ausüben dürfen. Sie sollen die Erzieherinnen und Erzieher ersetzen, die sich mit ihrer Ausbildung eine hohe Kompetenz erworben haben, eine grundlegende Erziehung der Kinder zu Mitgliedern einer Gemeinschaft zu gewährleisten. Also jede Frau für sich soll sich mit den immer komplexer werdenden Fragen in der Erziehung auseinander setzen. Mit Homeoffice können dann angeblich in kleinen Wohnungen am Küchentisch die vielfältigen Anforderungen an eine berufliche Tätigkeit so nebenher gemacht werden? Alles das auch noch für einen geringeren Lohn. Soll etwa ein Ideal, das nie wirklich eines war, zum neuen Leitbild für Frauen werden? Gab es eigentlich keine andere Zuschriften zu dieser Frage an die Zeitung?

Rene am 26.05.2020 16:23 Uhr

Zur Frage an Anne vom 26.05.:
"Aber was macht diese Geschichte jetzt zu einer Korrespondenz für rf-news?"

Was spricht dagegen?
Das Leben ist vielfältig und es ist doch gut, wenn nicht nur über bedeutende politische Dinge berichtet wird sondern auch über solche Themen und vieles anderes.
Aber vielleicht wird seitens der Redaktion auch auf die Frage eingegangen.

Rene am 26.05.2020 12:27 Uhr

Zu "Eine starke Frau" (2)

Dennoch ist es nicht zu verurteilen, dass er dann weiterfuhr. Aus Respekt vor dem Wunsch der Frau und – auch das ist wichtig – aus Selbstschutz. Damit handelt der Radfahrer zum zweiten Mal richtig.

Nein, jetzt müsste ihn (oder sie?) das Gewissen NICHT plagen - und hätte sich nicht veprügeln lassen müssen. (Ob der Berichterstatter ein Mann ist oder auch eine Frau, weiß ich nicht.)

Aber – da ich selbst vor längerer Zeit in einer nicht unähnlichen Lage war – wäre es u.U. angebracht gewesen, dass er (sie) in einer gewissen Entfernung wieder angehalten und das ganze in sicherer Entfernung, die aber im Notfall schnelles Eingreifen dennoch ermöglichen würde, im Blick behalten hätte. Bis sich die Situation entweder von alleine beruhigt (wie das in dem Fall war, wo ich mal unfreiwilliger Zeuge war) oder bis die Situation eine Form annimmt, wo man derart Hilfe leisten kann, dass man z.B. Passanten aufmerksam macht (es war im konkreten Fall Nacht und wahrscheinlich kein Passant da) oder Polizei ruft.

Die Situation war kompliziert und eine moralisierende Bewertung ist zwar, vor allem dann, wenn die Verfasserin der ersten Antwort auf jenen Beitrag selbst entsprechendes erfahren musste, zwar nachvollziehbar aber – im konkreten Fall – nicht unbedingt angemessen. Manches ergibt sich aus der konkreten Situation heraus und der oft zu hörende Spruch „da hätte ich das und das gemacht“ wenn man von Ereignissen hört, die passiert sind, ist oft genug nicht wirklich realistisch.

Dass den Berichterstatter die Sache, nachdem er (sie) in die Nacht fuhr, dennoch nicht kaltgelassen hat, ergibt sich aus dem, dass es den Bericht überhaupt gibt.

Rene am 26.05.2020 12:26 Uhr

Zu "Eine starke Frau" (1)
Wenn ich das richtig sehe, stammen die Reaktionen auf die Korrespondenz aus Eisenach bisher alle von Frauen. Da will ich mal als Mann auch was dazu schreiben:

Die Darstellung jenes Ereignisses lässt Interpretationsspielraum zu, aber klar dürfte sein:
Der Mann jener Frau ist aggressiv und seine Wortwahl verrät seine nicht vorhandene Achtung vor seiner Frau. Sein „… Denkst du, du kannst einfach so gehen wie du willst?" verrät, dass er nicht bereit ist zu akzeptieren, dass sie Wert auf ihr Selbstbestimmungsrecht legt. Das verrät Frauenverachtung.
Der Radfahrer verhält sich das erste Mal richtig. Indem er anhält und der Frau Hilfe anbietet.
Die sie nicht will, denn sie will den Fremden schützen, der bereits bedroht wird. Das verrät Menschenverachtung.
Die Frau „ weiß, wozu ihr Mann fähig ist“, schildert der Beobachter. – Woher weiß er das? wird man fragen. Er (sie) kann es nicht wissen, nur vermuten. (… wenn nicht doch Bekanntschaft mit den Beteiligten da sein sollte, wenn auch nur vom Sehen.)
Und wenn sie es weiß, dann ja wohl aus eigenem schmerzlichen Erleben, sei es am eigenen Leib oder aus unmittelbarem Miterleben.

Anne am 26.05.2020 11:44 Uhr

Also ich weiss nicht. Es gibt in dieser Geschichte so viele Unbekannte, so wenig Information. Wie kann man da sagen "das ist eine starke Frau" und das sozusagen als Moral der Geschichte sehen? Man könnte endlos spekulieren, was da los war. Ist sie daran gewöhnt, so behandelt zu werden und hat es akzeptiert? Hat sie vielleicht etwas sehr Schlimmes getan, worauf der Mann ausflippte?`Behandeln sie sich gegenseitig so unwürdig? Weiss sie nur genau, dass der Mann, wenn sie wieder alleine sind, noch aggressiver wird, wenn sich jetzt jemand anders einmischt? Keine Ahnung. Aber kann ich auf dieser Grundlage sagen, dass sie eine mutige Frau ist und diesen Vorgang so hervorheben?
Ich finde auch, dass der Korrespondent richtig gehandelt hat. Selbst wenn die Frau eigentlich Angst hatte, man kann niemandem helfen, der das nicht will und jede Frau entscheidet selbst, mit wem sie zusammen ist, was sie tut usw. Aber was macht diese Geschichte jetzt zu einer Korrespondenz für rf-news?

Gitta am 25.05.2020 22:27 Uhr

Ich glaube, dass die Korrespondenz aus Eisenach viele nachdenklich gemacht hat. Auch ich habe unter der Überschrift "eine starke Frau" zunächst etwas anderes erwartet. Aber ich finde sie genau richtig. Lag die Stärke dieser Frau nicht gerade darin, dass sie den unbeteiligten, solidarischen Radfahrer schützt? Und sie wird ehrlich gesagt die realistischere Einschätzung über das haben, was ihr vermeintlicher Partner und sein hinzukommender Kollege bereit und in der Lage sind zu tun. Was weiter passiert ist, wie es ihr geht, was vielleicht ihre nächsten Schritte sind – das können wir nur spekulieren. Aber es gibt auch Frauen, die aus Angst vor ihrem Partner sich in einer solchen Situation selbst gegen diejenigen, die helfen wollen wenden. Genau das hat sie nicht getan, sondern denjenigen geschützt und das beeindruckt mich. Es ist möglicherweise keine Geschichte mit Happy End, aber eine starke Frau ist sie auf jeden Fall!

Monika am 25.05.2020 19:43 Uhr

Hallo Moderation, wieso lasst ihr denn vier Beiträge hintereinander zu? das ist doch kein Diskussionsforum mehr, sondern schlägt alles tot. Ich wundere mich ohnehin, wie schwach die Diskussion hier entwickelt ist. Gibt es keine Frauenthemen zur Zeit?

Sonja am 25.05.2020 16:41 Uhr

(0) Beiträge hier zeigen extreme Belastung von Frauen und Familien durch die Pandemie. Mit gestiegenen Anforderungen in Familie und Arbeit wächst Empörung, Nerven liegen blank, Belastungsproben für Beziehungen und Kinder, Diskussionen, ob Errungenschaften für Frauen aufgehoben werden oder wohin soll das führen? Systemimmanent – ja sicher, aber in welcher Art? Wir sollten hier im Forum und in der Öffentlichkeit mehr über den doppelten Produktionsbegriff diskutieren. Das scheint zwar manchmal etwas kompliziert, finde ich aber wichtig um mithilfe dieser theoretischen Grundlage zu untersuchen und verstehen, was derzeit so elementar aufbricht.

Sonja am 25.05.2020 16:40 Uhr

(1) Frauen sind ja nicht nur jetzt mit Vollzeit-Kinderbetreuung „eingesprungen“, sondern waren schon vor Corona tragende Säule in der Organisation des Alltagslebens und mit Berufstätigkeit, Haushalt, Kinder, Pflege schon vorher oft in einer Zerreißprobe. Die bürgerliche Staats- und Familienordnung ist seit Anfang der 70er Jahre in eine chronische Krise geraten und mit der Neuorganisation der internationalen Produktion auch international. Augenfällig wurden jetzt mit Corona „systemrelevante“ typische Frauenberufe und verschärfte Überarbeitung, gesundheitliche Gefährdung von Krankenschwestern, Kassiererinnen, Pflegeberufen und das Problem, wer auf die Kinder aufpasst in der Zeit wenn es die Notbetreuungsgruppen nicht gibt. Doch ihre niedrigen Löhne gab es schon vorher als Ausdruck der doppelten Ausbeutung der werktätigen Frauen. Ungeniert kaufen sich derzeit zwei Chefs von VW mit 4,5 Millionen von ihrem Betrug frei, Geld aus der Ausbeutung der Arbeiter und Arbeiterinnen.
Der doppelte Produktionsbegriff erfasst die Gesamtheit der Beziehungen der Menschen in der Gesellschaft, der Arbeits- und Lebensweise als dialektische Wechselbeziehung. In der Streitschrift „Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau“ heißt es:

Sonja am 25.05.2020 16:35 Uhr

(2) „Der Kapitalismus ist die Entwicklungsstufe der Klassengesellschaft, in der die Arbeit die Stufe der maschinellen Großproduktion in Fabriken erreicht. Der Prozeß der Lebensmittelproduktion ist vergesellschaftet, während die Erhaltung und Fortplanzung der Gattung Mensch private Angelegenheit der Familie bleibt.“ (S.17) Das gesellschaftliche Leben ist vollständig dem Prozess der Maximalprofit bringenden Produktion und Reproduktion von Waren unterworfen, also auch der Arbeitskraft als Ware. Die Einzelfamilien bilden wirtschaftliche Grundeinheiten: Ohne Produktion und Reproduktion der Arbeitskraft in den Familien mit Kindern, Ernährung, Wohnung, Erholung, Gesundheitsfürsorge, Bildung und Ausbildung gibt es keine Ausbeutung der Arbeitskraft im Produktionsprozess. Alles geht in der Wert der Arbeitskraft ein. Die bürgerliche Staats- und Familienordnung soll die Produktion und Reproduktion des menschlichen Lebens in der kapitalistischen Gesellschaft gewährleisten.
Aber was ist jetzt eigentlich anders? Hat sich mit den neuen Belastungen auf die Familien infolge der Pandemie die chronische Krise der bürgerlichen Familienordnung nur verschärft? Oder muss man weitergehend davon sprechen, dass der Widerspruch zwischen vergesellschafteter Produktion von Warenauf der einen Seite und privater Lebensorganisation, inklusive Nachwuchssorge und Kindererziehung auf der anderen Seite in eine offene Krise geraten ist? Also das System der doppelten Produktion und seine Funktionsfähigkeit unter kapitalistischen Bedingungen überhaupt und offen in Frage gestellt wird. Wohin entwickelt sich das perspektivisch in Wechselwirkung mit den vielen anderen Krisen und der gesamten Krisenhaftigkeit des imperialistischen Weltsystems?

Sonja am 25.05.2020 16:30 Uhr

(3) Krisensituationen sollten auch Entscheidungssituationen sein!
Denken wir weiter, können wir uns eine Gesellschaft vorstellen, in der in jeder Beziehung der Mensch im Mittelpunkt der Produktion und Reproduktion des unmittelbaren Lebens steht, statt Maximalprofit? Als in Singapur die 2. Welle von Corona ausbrach, waren tausende Kinder von Beschäftigten im Gesundheitssektor alleine zuhause und hatte kein Mittagessen, weil Schulen geschlossen blieben. Besitzer und Beschäftigte eines Restaurants, kochten auf Spendenbasis Essen und lieferten es an Kinder nach Hause. Zu Beginn kamen Spenden für 100 Essen zusammen, nach einigen Tagen waren es bereits 5000. Wie wäre eine Gesellschaft die so etwas als allgemeines Prinzip verwirklicht, also gemeinschaftlich, solidarisch die Organisation der Alltagsaufgaben gesellschaftlich organisiert? Eine sozialistische Gesellschaft! Die Krise der bürgerlichen Familienordnung bildet die gesellschaftliche Basis für einen neuen Aufschwung des Kampfs für die Befreiung der Frau. Krisensituationen sollte man nutzten sich zu entscheiden!

Monika Gärtner-Engel am 25.05.2020 09:54 Uhr

Die Diskussion um die Korrespondenz aus Eisenach ist sehr interessant und wichtig. Der Schreiber hat nun eine aufgewühlte Kritik bekommen, deren Gefühle man gut nachvollziehen kann. Dennoch finde ich, dass der Kollege aus Eisenach richtig gehandelt hat. Erst einmal, dass er nicht vorbeigefahren, sondern zurück gekommen ist. Dann, dass er deutlich dokumentiert hat, dass er zu helfen bereit ist. Und schließlich dadurch, dass er respektiert hat, was die Frau sagte. Meiner Meinung nach muss das grundsätzlich maßgeblich sein. Eine einzige Ausnahme ist, wenn sie etwas sagt, aber gleichzeitig deutlich wird, dass sie etwas anderes meint. So genau wie der Kollege beobachtet und geschildert hat, war das hier aber nicht der Fall. Was soll hier Polizei nützen? Die Frau muss ihren Weg finden, sich zu wehren, sich zu trennen - was auch immer. Dabei kann und muss sie Hilfe bekommen, wenn sie möchte. Aber man kann nicht einfach von außen und gegen den erklärten Willen entscheiden und meinen, man weiß es einfach besser.
Ich finde es auch nicht richtig, dem Korrespondenten so moralisierend zu sagen, jetzt müsste ihn sein Gewissen plagen - und dass er sich halt hätte veprügeln lassen müssen. Das ist eine sehr schwierige Situation, in der er sich befand und ich habe großen Respekt davor, wie er sich verhalten hat.

Gisela am 24.05.2020 19:48 Uhr

Zuschrift zu dem Beitrag Rote Fahne News-Beitrag "Eine starke Frau unter der Brücke"
diese Korrespondenz hat mich sehr aufgewühlt! Ich war selbst schon mal vor vielen Jahren in einer solchen Situation: Ich kam zufällig dazu, als ein alkoholisierter Ehemann seine Frau auf die Straße verfolgt, angeschrien und misshandelt hatte. Zum Glück kamen dann noch andere Leute dazu und sprachen und schrien auf den aggressiven Typen ein. Der sucht sich dann ausgerechnet einen Bekannten von mir aus, um ihn zu verprügeln und ihm dabei den Unterkiefer zu brechen. Jemand hatte die Polizei gerufen, die Ruhe in die Situation brachte und alle als Zeugen aufschrieb. In dieser Situation war wichtig, dass die Frau nicht allein geblieben war, und die Polizei den Vorgang aktenkundig gemacht hat! Fast ein Jahr später gab es eine Gerichtsverhandlung. Was ist aber die Botschaft der Korrespondenz aus Eisenach? Ich habe lange hin und her überlegt. Hat die Korrespondenz eine Frau oder ein Mann geschrieben? Ich komme zu dem Ergebnis, egal welchen Geschlechts, eine Hilfe besteht auf jeden Fall darin, Passanten auf den Vorfall aufmerksam zu machen und bei bedrohlicher Aggressivität (wie auch in diesem Fall) die Polizei zu holen. So mit Menschen umzugehen, egal ob das der Ehepartner ist oder nicht, geht in Richtung faschistische Menschenverachtung. Bei solchen Typen ist falsche Rücksichtnahme auf die Frau oder Rückzug total falsch. Die kommen erst zu Bewusstsein, wenn ihre Tat öffentlich gemacht wird und sie gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden. Deshalb meine ich, dass diese Geschichte keine vorbildliche ist, v.a. nicht für das Verhalten des (der) Korrespondent. Leider trifft Leider trifft es meistens die schwächere Frauen, aber gerade deshalb muss ein Beobachter konsequent handeln.

Gisela am 24.05.2020 19:38 Uhr

Ein Artikel auf Rote Fahne News am 23. Mai - Antwort in neuem Beitrag am 24, Mai

Eine starke Frau unter der Brücke
Im leichten Frühlingsregen am späten Abend auf dem Weg nach Hause trug sich diese Geschichte zu. Ich fuhr nach einem Videoabend mit dem Fahrrad nach Hause. Etwas in Gedanken fuhr ich an einer jungen Frau vorbei. Eine harte aggressive Männerstimme tönte hinter mir. "Was bildest du dir eigentlich ein! Was glaubst du, wer du bist! Denkst du, du kannst einfach so gehen wie du willst?" Krass. In meinem Kopf arbeitet es fieberhaft. "Das müssen sie selber regeln". "Nein, ich kann sie nicht alleine lassen .." Nach kurzem Zögern blieb ich stehen. Schon tönte es, diesmal an mich gewandt: "Hau ab, das ist meine Frau. Oder willst du eine aufs Maul." Nein, ich kann sie nicht so stehen lassen. Ich drehte um, kurzer Antritt, und ich rollte mit dem Rad in die Senke unter der Brücke zurück, stellte es ab und ging auf sie zu. "Hau ab!" dröhnte es. "Brauchst du Unterstützung?" Sie verneinte. Sorge war in ihren Augen. Nicht Sorge und Angst um sich selber - nein, um mich, den Fremden. Beschwichtigend sprach die auf ihren "Freund" ein. Ich hörte jemanden auf dem Bürgersteig auf der Brücke rennen. Meckie (so habe ich den Namen verstanden) sprang behende die Böschung hinunter und gesellte sich zu seinem Freund. Beide bewegten sich auf mich zu. Mit lautem Gebrüll und Beschimpfungen. "Bitte geh jetzt." Ihre Stimme war fest. Sie weiß, wozu ihr Mann fähig ist. So tat sie. was sie konnte. Weiterhin noch einige beschwichtigende Worte zu ihm. Ohne Hast, ohne Beben. Ich beschloss zu gehen. Einige Meter schob ich, schwang mich dann aufs Rad und fuhr in die Nacht.

Christine am 18.05.2020 17:47 Uhr

Antwort auf die Beiträge von Dorothee, brigitte, Lutz und andere:
Ihr beschreibt, dass die Krise der bürgerlichen Familienordnung eine neue Qualität hat. Es wäre ja das volle Chaos ausgebrochen, wenn die Frauen nicht eingesprungen wären, als die Schulen und KiTas geschlossen wurden. Das wurde um den Preis gemacht, dass die Frauen beruflich zurückstecken, also im Grunde ihre wirtschaftliche Existenz aufs Spiel setzen. So sieht die "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" aus.
Die ganzen Lebensbedürfnisse, dass man eine gesicherte Existenz braucht, Schutz und Erhalt der Gesundheit, gesunde Nahrung, saubere Luft, Frieden auf der Welt um Kinder in die Welt zu setzen, die sind in Frage gestellt. Und diese Probleme sind meiner Meinung nach systemimmanent. Was meint Ihr dazu?

Dorothee Driesen am 17.05.2020 18:13 Uhr

Zur Schulöffnung in NRW ohne Corona-Massentests
Momentan öffnet NRW die Schulen. In meiner Stadr wird eine Klasse in zwei Gruppen geteilt. Damit es genug Räume gibt, wird der tägliche Präsenz-Unterricht auf die Fächer D,M,E reduziert + homescooling. Die Grundschul-Klassen kommen 1 Tag in die Schule und erhalten für vier Tage homescooling-Material.
Eine Schulleitung schreibt im Elternbrief, sie behalte sich vor, Schüler mit Symptomen nach Hause zu schicken. Ich bin sprachlos angesichts dieser medizinischen Unkenntnis.
Eine Schule in Neustrelitz erhält momentan Zuspruch, aber auch viel Ablehnung, weil sie ihre Schüler auf freiwilliger Basis alle vier Tage auf Corona testet.
Die Landesregierung NRW hält es für undurchführbar, 2,5 Mio Schüler in NRW zu testen und erklärt sich für nicht zuständig. Ich halte das für einen Skandal. Milliarden an Corona-Hilfen für Konzerne stehen zur Verfügung, aber für Massentests zur Vermeidung einer zweiten Infektionswelle in der Bevölkerung gibt es kein Geld.




Claudia am 15.05.2020 23:46 Uhr

Wenn ich (72 Jahre) mir ausmale, dass mich diese Situation getroffen hätte als alleinerziehende Mutter (2 mal 8 Jahre), puh! Wie Millionen Frauen habe ich immer gearbeitet. Dabei hatte ich immer einen Job und also heute eine Rente. Schon damals war die viel gepriesene Vereinbarkeit von Familie und Beruf, selbst für Paare ein schlechter Witz und extrem anstrengend. Jetzt ist Hochkonjunktur der Nicht-Vereinbarkeit auf dem Rücken v.a. der Frauen. Sie haben mehrfach-Berufe in der zu engen Wohnung ohne Job/mit 60% Kurzarbeitergeld/im Homeoffice/ im Einzelhandel ohne Schutzausrüstung schuftend: Lehrerinnen, versuchen, die online-Aufgaben ihrer Kids zu verstehen; an dem einen Computer das mit der Homeoffice-Arbeit zu vereinbaren oder ohne Computer? Erzieherinnen; Managerinnen von Einkauf, Krankentagen, Arbeitzeiten und Familienarbeit, Behördentelefonaten usw.
Zum Glück sind sie oft auch Politikerinnen, die fordern und kämpfen: für Kitas ohne Gebühren, mehr Lehrer*innen, kleinere Klassen, mehr Personal in Kliniken, Supermärkten, Industrie, mehr Bafög, Frauenlöhne endlich erhöhen.
Ein harter Kampf, der nur nachhaltig erfolgereich wird, wenn er organisiert geführt wird. Dafür die RF- news zu nutzen, ist ein guter Anfang. Noch besser: sich in der MLPD zu organisieren- eine gute Wahl für Frauen (und Männer). Wir müssen die Welt nicht nur verstehen, sondern auch verändern.

brigitte am 15.05.2020 22:08 Uhr

....Schulleitungen und Kollegien arbeiten derzeit auf Hochtouren, die täglich – manchmal sich auch ständig verändernden Verlautbarungen – aus den Kultusministerien umzusetzen. Oder die unverständlich formulierten Regelungen zu übersetzen auf ihre jeweiligen Bedingungen. Und das alles mit den vorhandenen Personalmängeln. Oder auch mit den eiligst zusammengeschusterten Lösungen von E-Learning über Microsoft den Unterricht fortzusetzen, was von Datenschützern bemängelt wird.
Es helfen keine einseitigen Schuldzuweisungen an digital nicht ausreichend ausgebildete Lehrer*innen oder an Eltern, die das nicht auf die Reihe kriegen. Oder an die Kinder, die vielleicht nicht selbständig lernen wollen: Wir brauchen gesellschaftliche Veränderungen, wir brauchen zunächst mal kleinere Klassen und viel mehr Personal in der Bildung und Erziehung. Kürzere Arbeitszeiten für Eltern und Lehrer*innen. Diesen Kampf sollten wir in allen Bereichen diskutieren, auch in den Betrieben und unter Kollegen. Wir brauchen den Kampf um ein anderes Gesellschaftssystem, das auch ein anderes Schulsystem installiert.

brigitte am 15.05.2020 22:08 Uhr

„Seit dem 27. April wurden die Schulen schrittweise wieder geöffnet. Aber nirgends ist ein schlüssiges sicheres Konzept zu erkennen. Das ist die Sorge der Eltern und der Lehrer. Die Bundesregierung sagt, das sei Ländersache, sie schieben die ganze Verantwortung ab. Und die Länder gehen alle unterschiedlich vor. Von den Kultusministerien hört man viel "könnte" und "würde".“ (Christine)
Das kann ich nur voll unterstützen. Alle – längst bekannten - Mängel des bundesdeutschen Schulsystems offenbaren sich in der derzeitigen Situation.
Sie gehen voll zu Lasten der Familien, darin meistens der Frauen. Und werden auf dem Rücken der Kinder und Jugendlichen ausgetragen. Als einfachste Lösung erschien zunächst „Bleibt daheim!“ Ohne genau hinzuschauen: Ist das „daheim“ für alle Kinder eine mögliche Übergangslösung? Hätten nicht viele andere Zusatz-Lösungen überlegt werden müssen, z.B. Arbeit in kleinen Gruppen, Einbeziehung von Lehramtsstudenten, ältere Schüler*innen für jüngere, Nutzung von Wäldern und Auen als Unterrichtsorte, Gaststätten, Hotels oder Jugendhäuser als Quartiere nützen.
Stattdessen wurden die Eltern verpflichtet, ihre Kinder im Homeschooling in 8 Fächern zu unterstützen. Das trifft auf Kinder aus einem Schulsystem, das nicht unbedingt zu selbstständigem Arbeiten erzogen hat. Gleichzeitig sind die Kinder und Jugendlichen einem medialen Überangebot ausgesetzt, allein das Verfolgen von 10 Whatsapp-Gruppen kann den halben Tag in Anspruch nehmen. Eltern berichten, wenn Lehrer*innen you-tube-Videos empfehlen, dass dann vieles andere auch noch angeschaut wird – und der Tag ist gelaufen.

Lutz am 13.05.2020 20:52 Uhr

"Das Coronavirus diskriminiert vielleicht nicht, aber die Gesellschaft tut es."
(Anne-Birgitte Albrectsen, CEO Plan International)
Wer sich die Frage stellt: COVID-19: Was Mädchen und Frauen erwartet
kommt zu folgenden Tatsachen:
In fast allen Ländern der Welt wurden die Schulen aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Aktuell gehen rund 1,5 Milliarden Kinder und Jugendliche nicht in die Schule oder die Universität - darunter rund 743 Millionen Mädchen. Während der Schulschließungen ist es für viele Kinder schwer, weiterhin für die Schule zu lernen.
und nimmt wahr: COVID-19 und Gewalt ...
wie auch Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Wirtschaft eines Landes stellen insbesondere benachteiligte Mädchen und Frauen auf eine besonders harte Belastungsprobe.
Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) leisten Frauen weltweit drei Viertel der gesamten unbezahlten Pflegearbeit.
In vielen Ländern herrscht das traditionelle Rollenbild, dass Frauen und Mädchen verantwortlich sind für die Hausarbeit, wie putzen und kochen, sowie für die Betreuung der Kinder und Alten und die Pflege von Kranken. Jetzt, da Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen auf unbestimmte Zeit geschlossen wurden, ist die Arbeitsbelastung um ein Vielfaches erhöht. Die unbezahlte häusliche Pflegearbeit wird stark ansteigen.
Frauen, die in der Grundversorgung eines Landes arbeiten, vor allem im Gesundheitswesen, stehen dabei unter besonders hohem Druck, da in diesem Sektor die Arbeitsbelastung ebenfalls zunimmt.
und: Die Wirtschaftskrise, die als Folge der nationalen Lockdowns bevorsteht, wird deutliche Auswirkungen auf ... https://www.plan.de/kampagnen-und-aktionen/girls-get-equal/corona-auswirkungen-auf-maedchen-und-frauen.html

Helga am 12.05.2020 20:31 Uhr

Kita-Betreuung erst mal nicht ?
Dass die Kita-Betreuung für Kleinkinder heute so einen großen Stellenwert besitzt, musste erst erkämpft werden. Lange Zeit wurden Mütter, die ihre Kinder in die Kitas gaben, als Rabenmütter verumglimpft. Mit der Corona-Pandemie wird immer deutlicher, welch wichtige Rolle diese Erziehung der Kinder außerhalb der eigenen Familien hat: 45 Forscherinnen wandten sich nun gegen die Empfehlungen der „Leopoldina-Wissenschaftler“ – und kritisieren auch, dass bei diesen Empfehlungen !nur! 2 Frauen dabei waren. Es geht nicht nur darum, dass vor allem alleinerziehende Frauen weiterhin zu Hause bleiben müssen, auch für die Kinder fällt die professionelle Frühförderung weg und Kinder mit geringen Deutschkenntnissen haben über Monate kaum Kontakt mit deutschsprachigen Kindern und Erwachsenen. Konflikte in Familien, die sich in Gewalt entladen usw. Was sich knapp anhört, wie sozial, entwicklungspsychologisch und lernpsychologisch – das hat riesige Auswirkungen. Über die psychischen Belastungen für die Mütter – Homeoffice und Kinder oder überhaupt kein Geld und Kinder – soziale Isolation und Zunahme von Depressionen. Auch für die Kita-Betreuung müssen Lösungen her – kleine und konstante Gruppen, die tageweise oder in kürzeren Betreuungsschichten die Kindertageseinrichtungen besuchen dürfen. Das kann die Krise der bürgerlichen Familienordnung nicht aufheben - es wird aber den Frauen Gelegenheit geben, sich für grundlegende Veränderungen zu engagieren.

Dietz am 06.05.2020 17:51 Uhr

@Christine
Vielleicht ist meine Forderung bezüglich der Kita- und Schulöffnungen falsch rübergekommen. Natürlich muss ein Konzept, welches die Gesundheitsvorsorge in den Vordergrund stellt, her und keine Schnellschüsse nach dem Motto, wer öffnet am schnellsten seine Einrichtungen. Ich wollte lediglich sagen, dass anscheinend gewisse Dinge, in welchen es um zig Milliarden geht, Vorrang haben vor einer Entlastung der Frauen bzw. der ganzen Familie.

Christine am 06.05.2020 14:15 Uhr

Antwort an Dietz:
In den Medien werden die Lockerungen oft so dargestellt, als ob man damit die Forderungen der Leute erfüllen wolle. So als ob die Familien jetzt nach Urlaub auf Mallorca rufen und nicht die Reisekonzerne. Genauso ist es mit den Schulen und Kitas. Klar ist es für die Familien ein Riesenproblem, dass sie die Betreuung der Kinder und das Homeschooling organisieren müssen. Aber die hastige Öffnung der Schulen ist meiner Meinung nach vor allem dem geschuldet, dass man die Eltern wieder auf der Arbeit haben will.
Seit dem 27. April wurden die Schulen schrittweise wieder geöffnet. Aber nirgends ist ein schlüssiges sicheres Konzept zu erkennen. Das ist die Sorge der Eltern und der Lehrer.Die Bundesregierung sagt, das sei Ländersache, sie schieben die ganze Verantwortung ab. Und die Länder gehen alle unterschiedlich vor. Von den Kultusministerien hört man viel "könnte" und "würde". Die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek "könnte" sich vorstellen, dass der Samstag zum Schultag wird " und "aus ihrer Sicht Masken sinnvoll sein können". Sie haben keinen angemessenen und verantwortungsvollen Plan, und deshalb legen sie sich nicht fest. In Hessen wurde die Klage einer Grundschullehrerin abgewiesen - sie könne keine "Null-Risiko-Situation" erwarten. Da wird mit richtiger Demagogie reagiert auf das berechtigte Anliegen des Gesundheitsschutzes. Die Regierungen richten sich immer weniger nach dem Rat der Virologen. Daher ist meine Meinung, dass die Schulöffnung fahrlässig ist, und dass man für sofortige kompetente Beratungen eintreten muss, wo Lehrer, Eltern, Schüler einbezogen sind. Das Ziel muss sein, eine verantwortungsvolle Unterrichtsmethode zu finden, z.B. kleine Lerngruppen, betreut von jeweils zwei Lehrern, usw.

Dietz am 05.05.2020 16:48 Uhr

Gerad Frauen sind von den derzeitigen Maßnahmen am stärksten betroffen. Nicht nur als vermehrte Opfer von Gewalt oder durch die verstärkte Betreuung der Kinder durch Kita- bzw. Schulausfall. Gerade die typischen "Frauenberufe" wie Verkäuferin, Kellnerin, Friseurin etc. sind von den Maßnahmen am schlimmsten betroffen. Neben den verstärkten Alltagsbelastungen kommen noch finanzielle Sorgen und, was meiner Meinung nach oft vergessen wird, eine gravierende soziale Ausgrenzung. Die täglichen Kontakte auf Arbeit, Spielplatz oder auch beim Einkaufen fallen für viele Frauen derzeit z.T völlig weg. Während die meisten Männer wenigstens noch eine gewisse Abwechslung durch ihren Berufsalltag haben, sind gerade die Frauen quasi in den eigenen vier Wänden eingesperrt, ohne Möglichkeit einer wenigstens zeitweisen Entlastung.
Ich frage mich, wo hier gerade jene kleinbürgerlichen Geister sind, die doch angeblich einen vollständige Gleichberechtigung von Frau und Mann fordern? Während seit Wochen bundesweit über die Wiederaufnahme der Bundesliga diskutiert wird ( natürlich lediglich aus finanziellen Gründen, eine Abwechslung für die breite Masse findet ja wegen der Geisterspiele nicht statt ), werden die berechtigten Forderungen der Frauen ( und auch vieler Männer ) z.B. nach Öffnung der Kitas und Schulen immer weiter größtenteils ignoriert.

Christine am 04.05.2020 22:55 Uhr

Die wachsende Gewalt hängt damit zusammen, dass mit dem Krisenmanagement der REgierung und der erzwungenen Isolation viele Familien in die Krise geraten, oftmals gibt es noch finanzielle Sorgen, Alkohol- und Medikamentenkonsum nimmt zu.
Die Gewalt ist ein Teil des Problems. Die Regierung hat die Schulen, KiTas, Kindergärten geschlossen und die Familien hatten die Hauptlast zu tragen um die Verbreitung des Virus zu verringern. Die Produktion ließ man weiter laufen. Der Großteil der über 11 Millionen in Deutschland lebenden Kinder unter 14 Jahren wird von den Müttern betreut. Seit heute findet teilweise wieder Unterricht statt, viele Fragendes Gesundheitsschutzes sind nicht ausreichend geklärt, die unterschiedlichen Zeiten und die Gültigkeit nur für einen Teil der Kinder erfordert ein Top Familienmanagement.
Auch die täglich Haus-und Familienarbeit der Frauen ist mehr geworden: Schul- und Kantinenessen sind ausgefallen, wochenlang konnten Kinder alleinerziehender Frauen nicht zum Vater wegen der Kontaktbeschränkung.
Frauen im Homeoffice haben bisher kein Recht auf Notbetreuung. Frauen, die mit den Kindern getrennt von deren Vater leben, brauchen trotzdem sein Einverständnis für Notbetreuung.
Viele Frauen sind richtig sauer über die Situation, sie schreiben in den sozialen Netzwerken dazu, wenden sich an die Gewerkschaften und viele haben das Bedürfnis, sich zu organisieren.
Da sollte jetzt z.B. der Frauenverband Courage am Puls der Zeit sein und auch Forderungen haben wie Recht auf Notbetreuung für Kinder, wenn die Mütter im Homeoffice sind, Schaffung von ausreichend Zufluchtsmöglichkeiten für Frauen und Kinder in den Kommunen und Ländern, finanzieller Ersatz für ausgefallenes Schulessen usw.

Helga Böttigheimer am 04.05.2020 21:57 Uhr

Echte Zufluchtsmöglichkeiten für Frauen und Kinder sind nötig!
Frauen und Familien garantieren in der Corona-Pandemie den sozialen Rückhalt, Pflege, Betreuung und Unterstützung. Die Gesundheitskrise treibt diese Belastung für viele Frauen auf die Spitze: Ersatz für Lehrer, Erzieherinnen, enge Wohnungen, Geldsorgen, Angst vor Arbeitsplatzverlust usw. sind ein explosives Gemisch. Nicht nur in sogenannten Problemvierteln – in allen gesellschaftlichen Schichten resultiert häusliche Gewalt an Frauen aus der bürgerlichen Familienordnung und Abhängigkeitsverhältnissen. In einem Bochumer Wohnviertel, das zu den sozialen Brennpunkten in der Stadt gehört, hängen aktuell an vielen Haustüren Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt. Mit den Kontaktverboten, der Schließung der Schulen und Kinderbetreuung werden die sonst schneller ersichtlichen Verletzungen bei Frauen und Kindern kaum bemerkt. Bisher gibt es in Deutschland dazu noch kaum aktuelle Veröffentlichungen oder Vergleichsmöglichkeiten. Einen Hinweis auf steigende Zahlen gibt eine Umfrage der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie befragten 3545 Teilnehmerinnen, wovon 5 % angaben, dass sie in den ersten zwei Aprilwochen häusliche Gewalt erfahren haben. Jeder einzelne Fall ist zuviel. Neben der Wachsamkeit und dem Einschreiten der Mitbewohner ist es notwendig, dass die Jugendämter viel engmaschiger „ihre“ Kinder und Jugendlichen besuchen und ihnen Hilfe ermöglichen. Es müssen nicht nur Plakate mit Hilfstelefonnummern aufgehängt, sondern sofort mindestens 25 000 echte Zufluchtsmöglichkeiten für Frauen und Kinder geschaffen werden.

Die Moderation am 03.05.2020 14:56 Uhr

Frauen und Familie