Fragen von Azubis, Schülern und Studenten und ihre Jugendbewegung

Dorothee am 12.08.2020 10:54 Uhr

Schulöffnungen

M.E. sollte man die Schulöffnungen verbinden mit der Forderung nach sofortiger Abstrich-Testung aller dort Anwesenden.
In welchen Abständen muss man testen?
Könnten alle "Negativen" in ihren Klassen bleiben ohne 1,5 m Abstand?

Albert Schmit am 25.06.2020 17:58 Uhr

„Irgendeinen Job werde ich schon finden...“
Angesichts fehlender oder ihnen versperrter guter Ausbildungsstellen „trösten“ sich so nicht wenige Jugendliche. Gerade jetzt in Corona-Zeiten und in der „Azubi-Krise“. Das ist ein gefährlicher Trost! Die Berufsausbildung ist eine Weichenstellung für das ganze Leben. Sie bestimmt maßgeblich über Zufriedenheit im Beruf, über Verdienst, über Freundschaft mit Arbeitskollegen...
Inzwischen werden in der reichen BRD 2,1 Millionen junger Leute zwischen 15- 25 Jahren ganz ohne Berufsabschluss gelassen. Pro Jahrgang sind es mehr als 120.000! Vor allem diese Jugendlichen landen bei den Leiharbeitsfirmen und im Niedriglohnsektor. 2018 waren aus der Gruppe ohne Berufsabschluss 17,4% arbeitslos. Mit Berufsabschluss waren „nur“ 3,4% offiziell arbeitslos.
Kein Jugendlicher darf sich ohne Berufsabschluss oder mit einer Schmalspurausbildung abspeisen lassen. Vor allem an die Großbetriebe mit ihrer allseitigeren Berufsausbildung muss die Forderung gestellt werden, dass sie eine Ausbildungsquote von mindestens 10% ihrer Beschäftigten einhalten. Die Konzerne lassen sich gerade mit Millionen Euro „Corona-Hilfe“ füttern. Gleichzeitig bietet das Daimler Werk in Sindelfingen bei 25.000 Beschäftigten gerade einmal 850 Lehrstellen. Also eine Ausbildungsquote von 3,4%!
Jung und Alt müssen gemeinsam offensiv für viel mehr gute Ausbildungsstellen und die feste Übernahme aller Azubis nach der Ausbildung eintreten, vor allem bei den Großbetrieben und erst recht in Krisenzeiten.

Franziska am 16.06.2020 21:52 Uhr

Hallo Rene,
ich finde Deinen Anspruch richtig, im Gesamtzusammenhang zu diskutieren. Du schneidest ja kurz die Situation der Azubis in Kleinbetrieben an. Das gehört eindeutig zu „Fragen von Azubis…“: Über 71 % aller Azubis werden immerhin von kleinen Betrieben ausgebildet (2017, BfA).
Jetzt ist natürlich die Frage, was tun, wenn ein kleiner Betrieb pleite geht und er Azubis hat? Ich finde, das Wichtigste ist, an der Ausbildung und unbefristeten Übernahme aller Azubis entsprechend ihrer Ausbildung festzuhalten. Dazu gehört dann auch, dass Azubis bei Insolvenz „ihres“ Betriebs von anderen Betrieben ausgebildet und übernommen werden müssen! Die Einführung der 30h – Woche bei vollem Lohnausgleich würde darüber hinaus Millionen neue Arbeitsplätze schaffen.
Die Bundesregierung hat in ihrem „Zukunftsprogramm“ Prämien für Klein- und Mittelbetriebe, die weiter ausbilden oder andere übernehmen, zugesagt. Das ist doch ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber die Großbetriebe, die Milliarden Umsatz machen, haben 90.000 Ausbildungsplätze in den letzten 10 Jahren gestrichen. Das hätte auch eine Prämie verdient: für die größte Frechheit. Die MLPD und der REBELL fordern seit Jahren richtig: 10 % Ausbildungsquote in der Großindustrie. Meine eigene Erfahrung ist: Wer um die Übernahme kämpfen will, muss wissen wer der Gegner ist. Das sind in erster Linie die Konzernspitzen. Azubis dürfen sich nicht spalten lassen in „Klein-“ oder „Großbetrieb“. Deshalb rate ich Deinen Azubis: Im Gesamten denken, was auch Dein Grundgedanke war und organisiert kämpfen. Sich auch im Kleinbetrieb gewerkschaftlich organisieren. Oder weitergehend, gemeinsam mit anderen Azubis, Arbeitern, Schülern, Studenten und dem Know-how der MLPD im REBELL.

Rene am 11.06.2020 16:21 Uhr

Zu Franziska:
Ich stimme dir zu.
"dank" Corona, auch "dank" der faschistoiden Politik eines Donald Trump und ähnlicher Voraussetzungen ist ein Umdenken bei vielen Leuten, nicht bei allen, im Gange. In die Richtung gehend: soll es wieder alles so werden wie vor Corona? Laut Umfragewerten hat auch die AfD deutlich an Zustimmung eingebüßt. Und in den international stattfindenen Protesten gegen Rassismus in diesen Tagen ist die Jugend prägend. Das sind positive Signale.

Du schreibst richtig, dass "es kein Ausrutscher von Trump ist, die Proteste als „linksradikal“ und im selben Atemzug als „terroristisch“ zu bezeichnen. Sondern purer Antikommunismus ..."
Es ist tatsächlich eine bewusst angewendete Methode, "links" zu diffamieren. Dasselbe wendet auch Erdogan an, wenn er den berechtigten Freiheitskampf der Kurden an terroristisch bezeichnet und das als Vorwand für seinen Krieg gegen die Kurden nimmt.

Darüber hinaus stellt sich - das benennst du treffend - die Systemfrage unmittelbar. Sei es weltpolitisch, sei es, die Zukunft jedes einzelnen Jugendlichen betreffend. Die wenigen Lehrlinge in meiner Firma zum Beispiel, die wissen zwar, dass sie nicht gefeuert werden, aber stellen sich jetzt schon (1. Lehrjahr) die Frage: wie geht es nach der Lehre weiter? Es gibt die Forderung der MLPD nach unbefristeter Übernahme entsprechend der Ausbildung, nur: "meine" Firma ist ein Kleinbetrieb und wir alle haben derzeit Zweifel, ob sie die derzeitige Krise überlebt. Und in dem Fall kann die Firma die Lehrlinge logischerweise nicht übernehmen. Auch das eine Frage, die im Gesamtzusammenhang incl. Alternative Sozialismus diskutiert werden muss.

Franziska am 11.06.2020 14:01 Uhr

Ich finde wir müssen mehr Werbung für dieses Forum machen und werde das auch selbst mehr tun.
Es gibt so eine interessante Entwicklung in der Rebellion der Jugend: War sie mit Beginn der Corona-Krise erst überlagert, gehen in den USA nun Hunderttausende verschiedener Hautfarbe, jung und alt auf die Straße, international, auch in Deutschland. Der Kapitalismus ist in einer tiefen Krise. Auf dieser Grundlage entfalten sich solche Massenunruhen nun z.T. innerhalb kurzer Zeit! Das was in den USA passiert sind Vorboten einer gesamtgesellschaftlichen Krise des Imperialismus. Auf rf-news und rebell.info (der Jugendverband REBELL hat z.T. selbst Proteste initiiert) gibt es interessante Berichte dazu.
Was ist darin zu klären? M.E. warum sich das überhaupt so sprunghaft entwickelt: mit der Wechselwirkung von Weltwirtschafts- und Finanzkrise und Corona-Krise sind in den USA 40 Mio. arbeitslos; Afroamerikaner haben nachgewiesen ein viel höheres Risiko an Corona zu erkranken und zu sterben; sie sind insgesamt ärmer als die weiße Bevölkerung. Viele sagen, sie wollen einfach nicht mehr zurück zur „Normalität“, wo Rassismus zur Tagesordnung gehört. Das alles kommt in den Protesten zusammen! M.E. gehört dazu auch, unterscheiden zu lernen, zwischen Rassismus als Teil der Ideologie der Herrschenden und der Wirkung davon unter den Massen. Dass es kein Ausrutscher von Trump ist, die Proteste als „linksradikal“ und im selben Atemzug als „terroristisch“ zu bezeichnen. Sondern purer Antikommunismus, der so benannt und bekämpft werden muss. Dass es Organisiertheit und Zielklarheit der Proteste braucht und auch Offenheit für den Sozialismus. Statt sich bevormunden zu lassen, welche Perspektive die Jugend braucht. Am 28.8. ist ein Marsch in Washington geplant. Was meint ihr zu dieser Entwicklung?

Franziska am 14.05.2020 13:31 Uhr

Meiner Meinung nach werden Schulen vor allem wieder geöffnet, damit Eltern wieder voll verfügbar sind. Es ist absolut richtig wie ihr sagt, alles zu tun, was mit Gesundheitsschutz wieder möglich ist. Z.B. Kleinlerngruppen einzuführen, die Schulen mit einem effektiven (!) Hygieneplan, der das Tragen von Schutzmasken vorsieht, sofortiger Ausstattung mit Seife usw., wieder zu öffnen. Das ist die Voraussetzung! Ich frage mich auch, warum die Lehrer und Schüler selbst an dem Prozess gar nicht richtig beteiligt sind? Stattdessen wird die Umsetzung und alle Schwierigkeiten auf sie abgeschoben. Trotz diverser Stufenpläne: Ein richtiges Konzept gibt es weiterhin nicht. Ich denke, das Problem der Herrschenden ist, dass das Thema „Schule und Bildung“ voll ins Herz des Kapitalismus trifft. Viele gesellschaftliche Aufgaben werden den Familien und den Frauen aufgehalst und nicht gesellschaftlich organisiert, wie das z.B. im Sozialismus der Fall wäre. Das war schon vor Corona so. Es wird jetzt verschärft, weil die Monopole ihre „Bedingungen“ schnell wiederherstellen müssen, um Maximalprofite machen zu können. Damit wird die Gesundheit aller gefährdet. Deshalb finde ich es wichtig, nicht nur über das Schulsystem an sich zu sprechen sondern auch das Gesellschaftssystem. Lebenslügen, wie „Bildungsgerechtigkeit“ und „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“ bröckeln. 2/3 der Studenten arbeiten, um sich das Studium leisten zu können. Viele wurden jetzt einfach gekündigt. Die Regierung hat tollerweise beschlossen, dass Studenten ein zinsloses Darlehen beantragen können. Es bleibt aber ein normaler Kredit der logischerweise zurückgezahlt werden muss. Die Monopole müssen den vollen Lohnausfall zahlen! Es ist deshalb wichtig, dass Arbeiter, Schüler und Studenten gemeinsam kämpfen.

Dorothee am 14.05.2020 12:13 Uhr

Eine Schule in Neustrelitz (Sendung "nano" 08.05.20) organisiert selbständig eine viertägige Testung aller Schüler.
Angesichts der Schulöffnungen in NRW fragte ich die GEW NRW per mail, was sie von Massentests an Schulen hält. Die Antwort: "Ich kann berichten, dass die Frage von Tests in/an Schulen natürlich sowohl bei uns als auch in der Landespolitik diskutiert worden ist. Zwei Argumente sprachen eher dagegen: Die erforderliche Dichte schien bei 2,5 Millionen Schüler*innen schwer möglich. Und - leider fast noch wichtiger - fand erneut das Spiel statt "guter Vorschlag, ich bin nicht zuständig".
D.h. die Regierung Laschet wird nichts diesbzgl. unternehmen. Neben des behördlich nicht vorgeschriebenen Mund-Nase-Schutzes eine weitere Verantwortungslosigkeit der NRW-Regierung.
Einen Tag nach der Lockerung musste eine Grundschule in Duisburg wegen Corona-infizierten Schülern bereits wieder schließen.

Helga am 05.05.2020 21:00 Uhr

Schulöffnungen – nur unter sicheren Voraussetzungen!
Ohne Zweifel waren die Schulschließungen für alle Beteiligten – die Kinder, die Eltern und die Lehrer eine große Herausforderung. Um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen war das eine absolut richtige Maßnahme. Schulen und Kindertagesstätten sind geradezu Brutkästen in der Verbreitung von Infektionskrankheiten. Mit großem Engagement begleiteten gerade Lehrer an den Gesamt-, Real- und Hauptschulen ihre Schüler. In vielen Familien mit mehreren Kindern gab es nur einen Computer für die Materialien aus dem Internet, keine Drucker und keinen ausreichenden Platz, um in Ruhe zu lernen. Für die Eltern war der Schulstoff oft Neuland. Die Schulschließungen zeigten mit aller Deutlichkeit, dass es mit der vielgerühmten „Bildungsgerechtigkeit“ in Deutschland nicht weit her ist. Kinder aus Haushalten mit einem geringen Familieneinkommen hatten schon immer schlechtere Lernbedingungen – mit der Pandemie wurde sie regelrecht abgehängt. Das trifft vor allem die Kinder der Arbeiterklasse und von Migranten. Als Vorwand, um die Schulen wieder zu eröffnen, ist echte Heuchelei. Schon vor der Pandemie war klar, dass es 2020 einen Engpass von 12.400 Grundschullehrerinnen und Lehrern gibt. Die Studien der Bertelsmann Stiftung u.a. hatten Ende 2019 belegt, dass es einen Engpass von Berufs-, Haupt- und Realschullehrerinnen und -lehrern bis zum Jahr 2030 gibt. Um die Schulen wieder zu öffnen, müssen die notwendigen Voraussetzungen vor allem für diese Schulformen herrschen, an denen in den letzten Jahren am meisten eingespart wurde: Genügend Klassenräume und Lehrer, kleine Klassen, saubere Sanitärräume, Hygienemaßnahmen und Hygieneschulungen.Schulöffnungen, dami die Produktion wieder läuft – ohne ausreichende Vorbereitungen – nicht mit uns!

Dorothee am 04.05.2020 13:37 Uhr

Zur Schulöffnung NRW
Ich war Lehrerin und finde das Verhalten der NRW-Regierung Lehrern, Schüler und Eltern ggü. unverantwortlich. Es starten Donnerstag die 4. Klassen der Grundschulen, ab dem 12.5. finden die Abitur- und die Abschluss-Prüfungen der Klasse 10 statt. Meine Meinung: Zuerst und sofort (!) sollten diese Schüler und Lehrer getestet werden, ob sie infiziert sind.
Eine solche Testung würde einen deutlich entspannteren Schulstart für alle Beteiligten ermöglichen.
Aus den Test-Ergebnissen müssen dann Konsequenzen gezogen werden für den Prüfungs- und Schulbetrieb - einschließlich dem, dass die NRW-Regierung die Kosten für digitalen Unterricht, Mundschutz, Desinfektionsmittel, personeller Unterstützung der Lehrer usw übernimmt.

Die Moderation am 03.05.2020 14:58 Uhr

Fragen von Azubis, Schülern und Studenten und ihre Jugendbewegung